Hochseeangeln

Sonntag abend klingelte mein Telefon und mein Bruder Maik war dran. “Fährst Du am Wochenende mit zum Hochseeangeln an die Ostsee??” Im ersten Moment dachte ich, ich habe mich verhört und da es ja schon am Freitag nachmittag losgehen sollte konnte ich ihm nicht allzuviel Hoffnung machen, da ich ja bis ca. 17 Uhr arbeiten mußte.
Aber da es mich doch etwas reizte, fragte ich sofort am Montag früh meinen Kollegen, ob er die Schicht mit mir tauscht. Als er hörte, was ich vorhatte willigte er sofort ein. Dann habe ich sofort mein Brüderchen informiert, der war natürlich absolut begeistert!
So, der erste Schritt war gemacht...aber was brauche ich zum angeln in der Ostsee????
Nur gut, daß ich einige Kunden hatte, die öfters in Norwegen angeln waren. Ein Anruf und 10 Minuten hatte ich schon eine “Norwegenausrüstung” leihweise.(Danke Herr Rosenhahn!)
Dann besorgten wir uns noch 2 Ruten,die unser Club zur freien Verfügung gekauft hatte.
Nach einem kurzen Telefonat mit Conny von
www.angelparadies-ruegen.de war mir klar, daß ich mit Pilkern von über 200g in der Ostsee nicht unbedingt die richtige Auswahl zur Verfügung hatte. Deshalb ging es Freitag früh noch mal schnell zu Sven vom Zoo-und Angelparadies Dresden, der auch einiges an Pilkern am Lager hatte.
So, dann noch schnell warme und wetterfeste Klamotten eingepackt und gegen 16.00 Uhr stand Maik auch schon vor der Tür. Wir trafen uns mit seinem Kollegen, der die ganze Sache eingerührt hatte und sieben weiteren Anglern in der Nähe er Autobahn und nach einem kurzen Plausch ging es los Richtung Rostock. Nach einem kurzen Zwischenstop waren wir gegen 21.30 Uhr am Ziel, dem Yachthafen in Warnemünde. Unser Kutter, die “RILANA” war auch schnell gefunden. Klamotten rauf auf den Kahn und erstmal umgeschaut....sehr geräumig war das Teil ja nicht, aber was solls, wir wollten ja auch angeln und nicht hier wohnen. Wir setzte uns noch ein Weilchen in gemütlicher Runde zusammen. Hier erfuhr ich, daß die anderen schon über Jahre regelmäßig hierher fuhren, also schon ihre Erfahrungen mit der Ostsee hatten.
An die leichte Schaukelei des Kutters hatten Maik und ich uns schnell gewöhnt, so das wir uns ganz entspannt in die Kojen legten. Geschlafen habe ich dann trotzdem nicht, zum Teil bestimmt vor Aufregeung, andererseits aber auch durch einige kurze Schnarcheinlagen.
Nun gut, jedenfalls kam früh beizeiten der Kapitän, der Frühstückstisch war gedeckt, frische Brötchen und Kaffee, da fing der Tag doch schon erstmal gut an. Dann kassierte der Kapitän sein Geld (2 Übernachtungen incl. Frühstück und Mittag für 104€ pro Person) und startete dann den  Motor. So, nun wurde es ernst....schnell noch mal runter an die Koje und die passenden Klamotten anziehen....doch was war jetzt...??? Der Kutter fing wie wild an zu schaukeln und aus allen Ecken war ein kräftiges “ Oh je!!” zu hören. Schnell wieder hoch, hingesetzt und abgewartet.
Doch inzwischen hat es mir und Maik schon die Schweißperlen aus allen Poren getrieben. Da gabes nur eines...raus an die Luft. Doch schon machte sich der Magen bemerkbar und aus kleinen Hustern wurde ganz schnell ein gewaltiger Brechreiz. Also an der Luft bleiben und zum Horizont schauen, aber das half auf die Dauer auch nichts, das Frühstück fand seinen Rückweg! Maik ging es wenig später genau so. Wind und Wellengang wurden inzwischen immer stärker, als das erste Signal zum Auswerfen der Köder kam, standen dann noch ein Rudel Angler mit uns an der Reeling und entledigten sich ihres Mageninhaltes. Da sich mein Kreislauf in der Zwischenzeit verabschieden wollte, legte ich mich auf Anraten des Smutjes in die Koje, natürlich mit Eimer bewaffnet... habe vom Angeln also gar nichts mitbekommen, bin ja selbst nicht mal dazu gekommen meine Rute in die Hand zu nehmen.Aber große Erfolge gab es bei den anderen auch nicht, es sind gerade mal 2 Dorsche gefangen worden. So richtig zu mir kam ich erst wieder, als der Bootsdiesel ausging und wir wieder im Hafen waren. Dann schliefen die meisten etwas.
Für mich stand jedenfalls fest,das mich keine 10 Pferde mehr auf die offene See bekommen!!!
Beim abendlichen Zusammensein hörte ich von allen Seiten, daß es keiner der Anwesenden so schlimm erlebt hat wie an diesem Tag, obwohl viele schon seit Jahren regelmäßig auf der Ostsee fischen.
Ich kann mir bis jetzt noch nicht erklären warum, aber ich blieb am nächsten Tag nach dem Frühstück wirklich auf dem Kutter!!!!! Der Wellengang hielt sich auch nach dem Verlassen des Hafens in Grenzen, worüber ich natürlich sehr froh war. Nach ca. 1,5 Stunden erreichten wir die Kadettrinne und nun wurde es ernst: ich nahm zum ersten Male auf der Ostsee eine Angelrute in die Hand. So, nun hieß es erstmal das richtige Gefühl für die ungewohnte Angelmethode zu entwickeln. Doch es dauerte gar nicht allzu lange und der erste Dorsch hing an meiner Rute, er biß auf den Beifänger und war 50cm. In dem Moment schoss meine gute Laune in die Höhe.
Auch wenn ich in der folgenden Zeit nur noch einen untermaßigen Dorsch fing, machte es doch rießigen Spaß. Auch die anderen Angelfreunde verzeichneten zum Teil sehr gute Fangerfolge, da waren ein paar ganz schöne Brocken dabei!!! Ich muß sagen, ich war nicht mal neidisch, sondern habe mich für die anderen gefreut. Leider ging es nun schon wieder in Richtung Hafen.
Auf dem Rückweg wurden die Fische ausgenommen und filetiert, da hatten manche ganz schön zu tun.
Trotz des versauten Sonnabends war das für mich ein unvergessliches Erlebniss, ich habe die ganze Truppe sogar gebeten, mich zu informieren, wenn wieder mal ein Platz frei ist, wenn es zum Angeln hier hoch geht!

Ein großes Dankeschön an diese Truppe, die uns so gut aufgenommen haben und uns so geduldig in das Thema Hochseeangeln eingeführt haben!!

Aber alle waren guter Hoffnung, das Wetter schien sich positiv zu entwickeln.

Als es am Sonntag früh losging war es noch finster.

so, es war hell und wir waren am Ziel...

...aber es gab ja genug zu erzählen...

und es dauerte gar nicht lange und die ersten Dorsche waren in der Fischkiste!

und der Wellengang war mehr als angenehm!!

sogar mein Bruder Maik fühlte sich pudelwohl !

Zwischen den Stopps gab es natürlich auch viel zu lachen.

und langsam aber sicher füllten sich so einige Fischkisten:

und dann kam der Smutje und machte die Bretter zum Ausnehmen des Fanges klar..

...und schon waren die Möven zur Stelle und warteten auf die unverwertbaren Rester

und nun ging es los, das “Schlachtfest”...

dabei kamen verschiedene “Methoden” zur Anwendung...

...gegen 15.00 Uhr verließen wir dann den Kutter und machten uns auf den Heimweg.

...also dann Tschüß Ostsee, bis zum nächsten Mal!!