Hallo Lutz,

eigentlich bin ich ja kein „Schreiberling“, aber da du mir mit Deiner Webseite schon viel Freude bereitet hast, versuche ich mal, Dir davon etwas wiederzugeben.

Ich habe gerade die schönsten und aufregendsten zwei Urlaubswochen hinter mir. Mit meiner
Familie und ein paar Freunden waren wir in Norwegen am Tingvollfjord. Es war nicht unser erster Norwegenurlaub, aber unser erlebnisreichster und damit schönster.

Als wir vor einem halben Jahr das Haus am Tingvoll buchten, war mir eigentlich nur wichtig, dass es in einer schönen Gegend und in unmittelbarer Nähe des Bootsstegs gelegen ist. Fische
gibt’s ja schließlich überall, mehr oder weniger.

Kurz vor Abreise haben wir durch puren Zufall noch einen deutschen Auswanderer über´s Internet kennengelernt, der genau an dem Ort seit zwei Jahren ansässig ist, wo wir hinwollten.
Und er ist Angler!

Ich hatte mir vor der Abreise ein Ziel gesteckt und nebenbei noch einen Traum. Ziel war ein Fisch jenseits von 1 Meter Länge, und ein Heil- oder Steinbutt war mein heimlicher Traum.

Also los, wir sind nach anstrengender Fahrt am Tingvoll angekommen: Gegend super, Haus ebenso.

Am nächsten Tag kam Rudolph, unser „Auswanderer“ und gab uns ein paar Tipps, die sich später als goldwert herausstellten. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon unsere erste Tour hinter uns, bei der Anika, unsere Kleinste das erste Ausrufezeichen setzte: einen Leng 85 cm.
Und das mit 9 Jahren!
 

Am selben Abend ging´s natürlich noch mal raus, Bernd, Detlef (der Alte), ich und natürlich Anika. Erster Stopp die sogenannten „Lengwiesen“ bei ca. 180 mtr Tiefe. Keine 5 Minuten
nach dem ersten Ablassen: Biss bei mir, Drill Wahnsinn. Jetzt wird´s was mit meinem Ziel!!!
Denkste!!! Bei 100 mtr Sprengring vom Pilker weggerissen. Schei....!
Als ich noch so am Basteln bin, Biss bei Bernd und dem Alten gleichzeitig. Beide hängen an ihren Ruten, als hätten Sie das Abendbrot verpasst. Nach ca. 30 mtr schimpft der Alte: „Bernd, wenn du ziehst, geht´s bei mir runter. Bestimmt ´ne Hänge.“-„ Im Mittelwasser `ne Hänge, klar Alter, vielleicht probiert Ihr´s mal mit gleichzeitig pumpen“, sage ich mal so nebenbei beim erneuten Ablassen meiner Montage.
Weitere 20 – 30 min vergehen und so langsam nähert sich da was der Wasseroberfläche.
Nun lässt der ungeheure Druck an den Ruten langsam nach und beide Schnüre bewegen
sich vom Boot weg.
Dann, ca. 30 mtr vom Boot weg ein Geräusch, als wenn ein U-Boot auftaucht. Es war kein U-Boot, aber so was ähnliches. Da lag ein riesiges „Wasserschwein“ an der Oberfläche. Nach weiteren 10 min vorsichtiger Annäherung an das Boot dann mein Griff zum Gaff. Als das Maul genau vor mir ist, gehe ich ran. Und dann rein damit!!!
Vor unseren Füßen liegt ein Leng von unglaublichen 185 cm!!! Im Rücken hatten sich fast alle Beifänger von Bernd und dem Alten vergraben. Im Maul hatte er weder Bernd´s Drilling,
noch den Jig-Head vom Alten. Bei wem er also gebissen hatte, war nicht mehr feststellbar.
Was dann am Ufer losging, kann sich sicher jeder vorstellen, eine Waage organisieren, Gewicht nehmen (38 kg) und mit unseren norwegischen Gastgebern feiern und dabei mal „bisschen“ Fisch filetieren. Es wurde eine lange Nacht!
 

Beim Ausnehmen kam ein stattlicher Dorsch zum Vorschein, bei dessen Fang sich jeder Angler wohl gefreut hätte. Aber er war nur die Vorspeise für unseren Superleng!

Was für ein erster Tag! Einfach unfassbar. 185 cm bei 38 kg, was für ein Fisch!
Ich bin einfach nur dankbar, das ich bei diesem Fang dabei sein konnte, so etwas erlebt man wohl nur einmal im Leben!

Unser Urlaub bestand aber nicht nur aus Angeln, sondern einige Ausflüge in die phantastische Umgebung folgten. Die Atlantikstraße bei Molde mit ihren eigentümlichen Brücken. Oder das
Atlantikhavsparken in Alesund, wo einheimische Fische im größten Meereswasserbecken Europas von einem Taucher gefüttert wurden. Oder das wunderschöne Dovrefjell, wo Stein-
pilze und Rotkappen so groß wie Kinderköpfe wachsen. Oder der Geirangerfjord mit seinen
7 Schwestern (Wasserfälle) und den dort ankernden Kreuzfahrtschiffen. Oder der Mardals- fjossen, mit 296 mtr der höchste Wasserfall Europas. Oder,oder, oder.
 

Nochmal zurück zur Angelei: Wir haben auch weiter gut gefangen. Meine große Tochter Lisa hat einen Köhler und einen Schellfisch, beide so zwischen 65 und 70 cm, gefangen. Vom Artenreichtum kann man anderswo sicher nur träumen: Rotbarsch, Lumb, Leng, Dorsch, Knurrhahn, Köhler, Schellfisch, Scholle und, und, und..., was will man mehr.

Ach ja, da war doch noch was und zwar die Geschichte mit Ziel und Traum.
Mein Ziel habe ich nicht erfüllen können, leider, aber mein Traum ging in Erfüllung. Natürlich wieder sonntags (warum beißen eigentlich alle richtig guten Fische nur sonntags???) ging bei mir die Post ab. In unmittelbarer Ufernähe bei 25 mtr hatte ich auf Fischfetzen einen sagenhaften Drill. Nach 20 min Kampf kam ein 77cm langer schwarzer Heilbutt zum Vorschein, ca. 7 kg schwer. Gott sei dank hat außer meiner Familie keiner gesehen, wie ich mich danach im Boot aufgeführt habe! Schon wieder ein unvergesslicher Moment! Da wurde Bernd sein 110 cm Leng fast zur Nebensache.
 

Abschließend muss ich noch loswerden, das ich sehr glücklich darüber bin, so einen Urlaub erlebt zu haben. Er wird mir, meiner Familie und meinen Freunden unvergesslich bleiben!
Dankbar bin ich außerdem, einen Menschen wie Rudolph kennengelernt zu haben. Völlig un-
eigennützig hat er uns seine Fischgründe und viele Tipps verraten. Ziemlich selten.
Herzlichen Glückwunsch noch zu Deinem 60.Geburtstag, den Du vorige Woche gefeiert hast, Rudolf, ich bin sicher, wir sehen uns wieder!
 
 Und Dir Lutz sei gesagt: Mach mit Deiner Webseite weiter so!   

Tschüß Jens!